The Sound of Wien
Aufmerksame Leser werden ja schon wissen, daß diese Kolumne so was wie einen Soundtrack hat. Und das ist der knochentrockene Ur-Folk von Wien, wie ihn Walther Soyka und Karl Stirner spielen. Jetzt ist ihre seit... ja, was: zehn Jahren? sehnsüchtig erwartete Platte bei der Nonfoodfactory erschienen, wird von der Extraplatte vertrieben und macht mich seit Monaten (hehe, ich durfte sie schon vorher hören) glücklich.
Meine Freunde Soyka und Stirner gehören ins Epizentrum der Nacht. Da sitzen sie, haben Augenringe und Augengläser, und die beinah letzte echte Wiener Volksmusik umgibt sie wie ein illuminierter Nebel.
Walther Soyka, Knöpferlharmonika, und Karl Stirner, Zither. Selten musizieren sie ausgestellt auf den Bühnen. Walther Soyka sagt gar, er mag die Bühnen nicht. Er mag seine Musik lieber aus dem Leben heraus spielen, also mitten im eigenen Publikum sitzen und da heraus plötzlich zaubern, still nämlich anfangen, nicht lauter werden, bis die anderen leiser sind, leiser und im besten Sinne betroffen.
Es ist schon so: Die Moderne gehört allen, das Biedermeier uns allein. Es hat die Wiener Volksmusik wenn schon nicht erfunden, dann doch aus ihren Zutaten gruppiert. Und daraus schöpfen Soyka und Stirner, daraus und aus dem, was nachher geschah. Aus dem Erbe der Schrammeln, der Walzerkönige und auch aus dem, was von den G'scherden am Land in die große Stadt gekommen ist und sich dort urbanisieren ließ oder eben auch nicht.
Manche Helden des „Neuen Wienerlieds“ mischen demselben etwas bei, ein bißchen Moderne, ein bißchen Kunst. Soyka und Stirner tun nichts dazu, außer ihre eigenen schönen und abenteuerlichen Persönlichkeiten. Der Altwiener Tanz und der Altwiener Marsch, sie wandern durch zwei Rock'n'Roller hindurch und kommen erfrischt wieder hervor.
Als ich letztes Mal über Soyka und Stirner schrieb, kamen dann liebe Kurierleser zum Heurigen Hengl in die Iglassegasse, lauschten den beiden und beschwerten sich, sie spielten zu leise. Nächste Woche kann man ebendort wieder lernen, wie leise ein Publikum zu werden vermag.
Walther Soyka und Karl Stirner präsentieren ihre CD „Tanz“ kommenden Dienstag, 8. 9., ab 20 00 Uhr in der Buschenschank Hengl-Haselbrunner. Iglaseegasse 10, 1190 Wien.